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Damals, da hat wohl jemand von euch besonders gut im Deutschunterricht aufgepasst, um später die Alliteration gekonnt einzusetzen…Robert: Gut aufgepasst, tatsächlich: Im Bandnamen stecken sogar zwei Alliterationen. Woher der Name kommt, weiß ich auch nicht so recht. Schließlich hat Matthias schon lange unter diesem Namen Musik veröffentlicht, er war also schon da, als das Homerecording- zum Bandprojekt wurde.Christian: Das wüsste ich auch mal gerne! Ich höre jedenfalls über meine Kopfhörer ziemlich viele kaputte Geräusche, die mich erschaudern lassen, weil sie sich so nach einem Krebsgeschwür anhören. Gut, dass die melodischen Mondmilch-Passagen da wieder ein gutes Gefühl entstehen lassen.Matthias: Der Name hat sich quasi über viele Jahre entwickelt. Er ist Ergebnis eines anhaltenden Spiels mit den einzelnen Wörtern, bei dem die entstehenden Bilder immer wieder anders zusammengesetzt und mit neuen Bedeutungen versehen werden. Und zu so einem Spiel soll der Name auch einladen.Low Rock… Was genau können wir darunter verstehen? Neues Genre erfunden? Oder einfach im Kleiderschrank von Oma gewühlt?Matthias: Der Unterrock meiner Oma soll nun weniger zum Spiel mit eventuell entstehenden Bildern einladen. Als Low Rock bezeichnete Mark Sandman von Morphine – der Musiker, der mich am meisten fasziniert und beeinflusst hat - den Stil seiner Band.Robert: Morphine beschrieben ihren Sound so, weil der nur mit Bass, (tiefer) Stimme und Baritonsax auskam. Auch bei unserer Musik sind die tiefen Frequenzen ziemlich wichtig. Aber in erster Linie sind Stilbeschreibungen ein lästiges Übel. Wenn wir uns irgendwo mit “Indie” beschrieben sehen, ist auch niemand sauer.Alle Songs sind von Matthias Mühlbächer geschrieben worden. Also waren die Tracks fertig und dann habt ihr euch einfach nochmal zusammengesetzt, um es einzuspielen? Inwiefern gab es da ein kollektives ‘Zusammenkomponieren’?Matthias: Ich schreibe und produziere die Lieder zuerst alleine zuhause und schicke den Song dann den anderen. Wenn alle mit dem Stück etwas anfangen können, bringe ich die einzelnen Spuren zur Probe mit. Christian bekommt den Click per Kopfhörer vom Laptop und wir spielen zum Projekt live dazu. Die von mir eingespielten Gitarren, die programmierten Drums, Bässe und das Elektrozeug werden von Robert, Christian, Pere und Caro verfeinert und ausgearbeitet und das gesamte Stück eventuell umstrukturiert oder anders arrangiert etc. Gibt es Sounds, Gitarren oder Elektrodrums, die keiner dazu spielen kann, die uns aber für den Song unverzichtbar erscheinen, lassen wir die vom Laptop mitlaufen. Können wir alles selber spielen, bleibt der Computer aus.Christian: Matthias hat ziemlich genaue Vorstellungen von jedem Song, das kann schon arg ins Detail gehen, und zwar bei jedem Instrument. Manchmal zählt aber auch einfach das Feeling einer bestimmten Song-Passage, und wie das am besten rüber kommt, da gibt immer noch jeder seinen Senf dazu und liefert Ideen.Caro: Ich finde es gut, dass es oftmals eine klare Vorstellung gibt, an der wir uns orientieren können, so verlieren wir uns nicht zu sehr. Dennoch bleibt genug Raum um eigene Ideen einfließen zu lassen. Ich würde sagen dass es insgesamt sehr diszipliniert zugeht, das mag ich.Robert: Es ist auch nicht so, dass die anderen Bandmitglieder keine Songs schreiben könnten, aber Moon Milk For Cancer Cat-Songs kann eben nur Matthias. Insofern reicht es, wenn wir uns seine Stücke ‘draufschaffen’, um sie live zu spielen. Und aus meiner Erfahrung mit “demokratischen” Bands weiß ich eine so klare Rollenverteilung inzwischen auch zu schätzen.Viel Atmosphäre wird in eurer Musik allein durch die Stimme erzeugt, sie steht automatisch im Vordergrund und klingt etwas düster und morbide…Christian: Absolut, wobei manche Stellen auch herrlich ironisch klingen.Robert: Klar, die Stimme ist schon irgendwie unser Erkennungsmerkmal. Das Düstere und Morbide kommt wohl einfach automatisch mit, weil das nun mal unser Geschmack und unser Bandsound ist. Dabei ist es uns aber sehr wichtig, jegliche Grufti- und Gothic-Klischees zu vermeiden. Vielmehr liegt in vielen Songs ein feiner und ebenfalls recht dunkler Humor verborgen. Gut verborgen, wohlgemerkt.Pere: Wir achten auch drauf, dass der Gesang als stilprägendes Merkmal seinen Raum bekommt. Oft muss ich an meinem Bassverstärker equalizen, weil sich die tiefen Frequenzen und Matthias’ Stimme in die Quere kommen.Woher kommt bei euch das durchaus künstlerisch angehauchte Artwork? Da sind doch Grafikerhände im Spiel gewesen!Robert: Ein Artwork zu finden, war gar nicht so einfach. Das Artwork hat schließlich Ronny Lischinski gezeichnet, ein Berliner Künstler, dessen Werk schon einiges an Aufmerksamkeit bekommen hat. Matthias: Ronny ist ein Freund von mir, und einige seiner Skizzen zum Thema Weltall und Astronaut passten atmosphärisch sehr gut zu unserer Musik.Und der Astronautenhelm steht dann so für “Abfahrt”?Matthias: Gerade das Bild mit dem Astronauten erinnerte mich sofort an den thomann Zustand, in den ich gerate, wenn ich Musik mache: Anstelle des Betrachters spiegelt sich nämlich eine fremdartige Landschaft im Visier des Astronauten. Ich selbst bin in diesem Prozess in Auflösung begriffen. Begreife mich wieder neu, nachdem ich geschützt in der Hülle der Musik auf der Reise in die Unendlichkeit des eigenen Universums eine Zeit lang verschwunden bin.Wow, das ist wirklich toll beschrieben, der kreative Schaffensprozess… Die Einblicke in eure Studiosessions erinnern uns ein bisschen an schlaflose Nächte auf LAN-Partys.Robert: War aber eher das Gegenteil: konzentriertes Tagwerk nämlich.Matthias: Ich musste erst mal googeln, was LAN-Partys sind… Christian “Taison” Heiß, der u.a. bei Lali Puna spielt, ist ein alter Freund von mir und hat ein sehr, sehr gemütliches Studio in München, das mit allem ausgestattet ist, was man sich zum Produzieren einer Platte nur so wünschen kann: hervorragende Mikros, ein dickes Pult, eine Riesenauswahl an den besten Vorverstärkern und Kompressoren, analogen Synthies usw.… Besonders hervorzuheben: die Sherman Filterbank, die, weil sie keiner so recht verstand, die besten Sounds wie ganz von alleine beitrug, außerdem lag da alles Mögliche rum, was irgendwie Geräusche macht. Unser damaliger Bassist Christoph (von der Band Kris Kelvin) hat mit uns die Stücke mit seinen Ideen musikalisch verfeinert und als technisch nahezu perfekter Musiker viele Instrumente eingespielt. Taison produziert schon seit vielen Jahren Alben, auf denen “echte” Instrumente und elektronische Klänge zusammen zu hören sind und konnte so mit seiner Erfahrung ganz viele Sounds, Arrangements und Details beisteuern. Diego Ferri, der ebenfalls mal bei uns Bass gespielt hat, hat die Stücke dann mit viel Feingefühl gemastert.Christian: Pro Track ein Wochenende, fast rund um die Uhr in einem verrauchten Studio, also schon ein Stück Arbeit. Zum Glück mit einem Produzenten, der nicht nur Ahnung von der Technik hat, sondern sich auch ständig mit tollen Ideen eingebracht hat.Robert: Das Ganze hat sich insgesamt über fast zwei Jahre erstreckt und trotz Freundschaftspreis nicht wenig gekostet, aber es hat sich absolut gelohnt.Euer Video zu 'I Do it again' zeigt einen schrägen und sicher auch ‘weggebeamten’ Videoclip. Welche Idee steckt dahinter?Christian: Das war alles sehr spontan bei einer Probe. Ich wusste vorher nicht mal, dass wir drehen, das war aber ein großer Spaß.Matthias: Nee, einen Plan hatte wir da keinen. Erstaunlich finde ich dabei, wie die Bilder dann aber im Endeffekt, obwohl die Filmemacherin Kamila Chomicz nichts davon wusste, zum Thema des Songs passten. Die Kinderspielpuppe, die lustig vor dem selbstgebastelten Sternentuch wandert, umgeben vom Schatten einer Mohnkapsel (der Mohn bringt den Schlaf und die Träume), steht für das kindliche innere Erleben einer Traumwelt. Die Puppe bringt eine gewisse thomann Komik in die etwas düstere Stimmung dieser Sequenzen, die jeweils durch das Bedecken der Augen mit einem fremdartigen Gewächs eingeleitet werden. Die Puppe taucht in der hellen, “gesunden” Welt, die durch das Verrichten alltäglicher Dinge, wie Salatschneiden, dargestellt wird, nicht auf. Es geht in “I Do It Again” um etwas, das man tut, obwohl man weiß, dass es unter Umständen falsch und moralisch absolut unvertretbar, kindisch und egoistisch ist. Eine regressive Flucht zurück in den verantwortungslosen Zustand in der Kindheit, der durch das Verspielen des Vertrauens der liebenden Umgebung zum Bruch mit deren höchsten Werten führt. Eine Handlung, deren Ziel einem erst einmal selber völlig unbekannt ist. Auf der man aber auf pubertär trotziger Art und Weise beharrt, weil man schon irgendwie spürt, dass sie zur Fähigkeit der eigenständigen Wertsetzung führen könnte. Vielleicht aber auch nicht oder nur für eine gewisse Zeit. Und dann macht man’s halt wieder…Am 08.01.2015 habt ihr im Sage Club in Berlin gespielt. Musstet ihr drei Jahre warten, wegen der Warteschlange, oder wie schafft man es, dort auftreten zu dürfen?Christian: Ich musste vier Jahre warten, so lange wohne ich in Berlin und ich wollte immer schon mal hingehen!Robert: Der Club hat eine Booking-Adresse und löblicherweise sogar einen konkret benannten Ansprechpartner. Diesen haben wir scheinbar mit unserer Musik überzeugt… Generell ist es als Nachwuchsband mit einer nicht wirklich massenkompatiblen Musik nicht leicht, an Konzerte heranzukommen. Man schickt viel raus und bekommt sehr wenig Feedback, und auch die Clubs, in denen man als Liveband spielen kann, werden immer weniger. Insofern war uns der Sage Club schon ein inneres Wembley.Und tatsächlich in Tierkostümen! Ich bin ja immer der Meinung: Wer aufhört Kind zu sein, hört auf zu leben…Robert: Die Idee war: Wenn schon in einem Rock-/ Metal-/ Hardcore-lastigen Schuppen nicht reinpassen, dann gleich richtig. Wir werden aber jetzt nicht zu den Slipknot der Hasenkostüme.Was steht auf dem Jahresplan für 2015?Christian: Auch mal aus Berlin rausfahren und uns einem völlig fremden Publikum stellen!Caro: Mein Traum: Paderborn!Robert: Natürlich so viele Konzerte zu spielen, wie wir können. Gerne würden wir mal den Rest der Republik besuchen, nachdem wir die meisten Berliner Bühnen durch haben. Auch neue Fotos und Videos müssten bald mal wieder sein. Tipps zu Clubs, in denen wir mal spielen können, nehmen wir übrigens unter booking@moonmilkforcancercat.de dankbar entgegen!

Interview mit dem thomann Videoblog

Erschienen unter http://www.thomann.de/de/cat_videoblog~ncx.html?tab=play&vid=2923